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Eine kleine Ziege zu Besuch: Rettung ins Verderben?

Es ist mir ein kleines Bedürfnis über ein sehr schönes, aber auch trauriges Erlebnis, was sich gestern & heute ereignete, zu berichten. Wir sind momentan zu dritt hier vor Ort:

Franzi, ich und Elia, ein netter 21 jähriger Italiener, der seit ca. 3 Wochen bei uns auf der Chanala als wwoofer zu Besuch ist. Am Samstag sind wir morgens gemeinsam mit einem leckeren Frühstück in den Tag gestartet & dann nach Rasquera gefahren. Dort angekommen, ist Elia seiner Wege gegangen und hat dabei den ca. 30 km entfernten Ort Tortosa erkundet, wir, Franzi & ich sind von Rasquera aus nach El Perelló gefahren, was ca. 18 km von uns entfernt ist um dort den Markt zu besuchen, auf dem man frisches Obst & Gemüse bekommt. Auf dem Weg nach Hause waren wir gut gelaunt und erfreut darüber, dass wir abends gemeinsam mit unserem Wwoofer etwas leckeres kochen wollen.

Zuhause angekommen sind wir durch ein sehr hohes, fast wie ein Baby schreiendes Geräusch erschreckt worden. Immer und immer wieder wurde dieses „Rufen“ aus der Richtung hinter unserem Wäldchen zu uns getragen. Ich lief direkt los um zu schauen, was da los ist. Besorgt war ich, dass ein Tier von einem anderen gerade angegriffen und verzehrt wird. Ca. 0.5 km von uns entfernt auf der Finca war ein Hund zu sehen, der immer wieder etwas attackierte. Zuerst war nicht ersichtlich, was es war, doch dann, als plötzlich dieses kleine Wesen rückwärts kopfüber von einem der Steinterrassen, die hier typisch sind für die Region, 2 Meter runter fiel, wurde uns klar, dass es sich um ein kleines Zieglein handelt. Direkt rannten Franziska, Charlie, unser Porcelain-Griffon Mix, Nala, unsere Deutsche Dogge und ich los, um dem Kleinen zu Hilfe zu kommen. Der Hund wirkte nicht, als wolle er die Ziege töten und fressen, jedoch hatte er sie massiv attackiert, so dass sie letztendlich von der Terrasse gefallen ist. Wir sind also losgerannt, beide rufend, damit der Hund verschwindet. Der Weg hinüber zu der Finca war nicht ganz so einfach, man muss eine Strecke von ca. 300 Meter Terrassen, die mit Olivenbäumen bewirtschaftet sind, runterklettern und springen, um dann auf der anderen Seite ebenfalls 200 Meter die Steinterrassen hochklettern. Da Nala und Charlie mitgerannt sind, waren die beiden zuerst bei dem völlig verängstigten kleinen Ding. Es stand dort und schaute scheu um sich, der Mund blutig, ansonsten scheinbar unversehrt. Nachdem wir den Körper des kleinen Ziegenbocks abgetastet hatten und nach Wunden überprüft haben, waren wir sehr froh, dass er heile war. Von dem Hund, der ihn attackierte, fehlte jede Spur. Auch ansonsten war kein Mensch zu sehen auf dieser Finca, es war ruhig. Gefühlt, konnte ich nur meinen lauten Atem hören. Mit reichlich Adrenalin in den Adern, habe ich mir den kleinen Bock geschnappt und ihn den Weg zurück getragen. Nala, die stets spontan Muttergefühle bekommt, war ganz angetan von dem Bock und konnte es kaum lassen, ständig an den Füssen des kleinen Bockes zu riechen. Ich trug ihn über den Schultern, so kam es mir am leichtesten vor, denn leicht war der kleine Kerl nicht. Er wurde ganz ruhig und auch sein Atem wurde entspannter. Er hat seinen kleinen Kopf an meinen gelegt und wirkte gefestigt. Zuhause angekommen, sind wir mit ihm in die mit Stroh gefüllte Aussenunterkunft der Hunde gegangen. Dort hat er sich auch direkt hingelegt. Er ist, das ist relativ offensichtlich gewesen, bis vor kurzem ernährt gewesen, denn der kleine Kerl war recht propper. Nala legte sich zu ihm und leckte ihn ordentlich ab. Er hatte keinerlei Angst vor Nala, was neben seinem guten optischen Zustand, seines doch eher gut ernährten Aussehen, dafür sprach, dass er zu einer Herde von Ziegen hier aus der Gegend gehört. Franzi und ich haben überlegt, wer in der nächsten Nähe Ziegen hat. Da wäre Amadeus, unser Ziegenhirte, der mit seiner Herde von Ziegen & Schafen ab und an direkt an der Chanala vorbei kommt und uns immer gut gelaunt einige Worte zuruft, die meist ums Wetter, das Befinden, oder auch einfach die Begrüssung beeinhaltet, gefolgt von der Verabschiedung. Ansonsten gab es noch eine Finca, die ebenfalls hinter einem Wäldchen liegt, auf der ich öfter mal Schafe gesehen habe. Den Nachbar haben wir aber noch nie dort gesehen, denn hier wohnen die Bauern nicht auf Ihren Fincas, sondern in Rasquera in einem Stadthaus und zum arbeiten kommen sie auf ihr Land.

Da Nala sich nun so rührend um das kleine Zieglein kümmerte, haben wir die Chance genutzt, rumzuhorchen, wem der Kleine ausgerissen sein konnte. Alle Bekannten haben wir involviert und es gab auch diverse Vermutungen. Aber bislang kein Ziegenhirte, der gesagt hätte: Ja, mir fehlt ein kleiner schwarzer Ziegenbock und auch keiner, der gesagt hätte: ich habe einen und schaue mal nach, ob der noch mit den anderen im Stall ist.

Der Hundestall wird zum Ziegenstall

Also waren Franzi, Nala & ich jetzt erstmal die Co-Mütter des Kleinen. Der bis dato nicht mehr geweint hat und auch scheinbar noch keine Hunger hatte. Dann kam sie auf die Frage: was füttern wir dem Böckchen denn jetzt? Als ob es so hat sein sollen, hat letzte Woche eine gute Freundin von Franzi, die 2 Kinder hat, davon eines im Alter von 7 Monaten, die Anfangsmilch hier vergessen. Prima. Wir beide also euphorisch in die Küche und uns belesen, wie man die leckere Milch nun herstellt. Parallel der Gedanke, wie wir die Milch dann ins Böckchen bekommen. Keiner der Bekannten hat Kinder, also folglich auch keiner mehr eine Flasche mit Nuk. Also musste die Spritze, die wir zufällig noch hatten, herhalten. Bewaffnet mit leckerer Babymilch und spritze sind wir in den Stall zu Nala und ihrem Zieglein. Der Versuch, dem kleinen die Milch zu geben, stellte sich als nicht mehr als ein Versuch heraus. Er wollte die Milch einfach nicht trinken. Ein wenig musste er dann doch, aber insgesamt nicht der Rede wert. Das Gefühl, so ein kleines Kerlchen zu verpflegen und sich zu kümmern hat uns schon berührt. Süß war er und so weich und kuschelig & was mich verblüffte: Er roch noch nicht so streng nach Ziege (was ich auch mag, aber es war einfach nicht so bei ihm). Als es dann Abend wurde, kippte die Stimmung etwas. Erstens hatte keiner eine Ahnung, wem der Kleine gehörte, zweitens bekam er so langsam scheinbar Hunger und Sehnsucht nach seiner Mutter. Wir konnten schlecht schätzen wie alt er ist, ob er schon alleine isst oder eben doch noch Milch braucht und wenn ja, wie viel. Also entschlossen wir uns, nachdem er im Stall der Hunde nicht mehr glücklich war und jammerte, meckerte, ihn mit ins Haus zu nehmen. Da war er scheinbar sehr zufrieden mit. Er saß auf meinem Schoß auf einem Stuhl und liess sich die Streicheleinheiten gefallen. Ein Versuch, ihn gegen 20.00 Uhr ins Bett zu bringen, in den Stall, scheiterte. Er brüllte und schrie wie ein Baby, Nala schaute ihn nur verblüfft an und versuchte ihn immer mal anzustupsen. Nichts half. Also nun war es so, ich stellte mir in der Küche 2 Stuhle gegenüber hin und nahm mit einer Decke platz. Franzi gab mir den kleinen Kerl und mit dem Böckchen auf dem Arm schlief ich ein und auch er begann zu schlafen. Immer mal wieder nachts wach, da er sich kratzte oder einfach so wach wurde, tauschte ich um 2 Uhr mit Franziska die Position. Franzi zog es vor sich eine Liege in die Küche zu stellen und mit dem Kleinen dort zu knacken. Ich hingegen legte mich auf die warme Stelle im Bett, die durch Franzi ihre Wärme erlangte. Zuerst konnte ich nicht schlafen, da die Gedanken darum, wie wir nun einen Platz für den Kleinen bauen, woher wir weitere Ziegen bekommen, mich nicht schlafen lies. Denn ihn wieder abzugeben, wenn man ihn so lieb gewonnen hat, kam für mich gedanklich nicht in Frage. Franzi lag nun dort auf auf der Liege, schön zugedeckt und mit einem Ziegenbock im Arm. Damit uns kein Maleur mehr mit ihm passiert, haben wir vorsorglich von Nalas Hitze die übriggebliebenen Windeln genutzt ,um sie ihm anzuziehen. Leider gibt es keine Bilder davon, es sah zum wegschreien lustig aus. Die Nacht war dann für alle noch recht erholsam, der kleine Bock, Franzi und ich haben gut geschlafen. Erst um 6 Uhr wurde er wach und hatte scheinbar starken Hunger. Franzi, die eine tolle Mama abgab, nahm den Kleinen und zog ihm ein Hundegeschirr an, nahm eine Leine und ging mit den Hunden, unserem Kater Frieder und dem kleinen Bock eine Runde. Alle machten ihre Geschäfte, sogar der Kleine. Dabei aß er auch eine Menge, den neben der Tatsache, dass er wirklich noch Milch brauchte, die wir ihm über die Stunden, die er da war, immer mal wieder eingeflöst haben, aß er auch schon prima von alleine.

Der kleine Ziegenbock mit Michelle & Nala

Der Tag ab dann war recht turbulent, der kleine Bock brauchte volle Aufmerksamkeit und schien dann recht zufrieden. Ohne Aufmerksamkeit wurde er umgehend unruhig und meckerte in voller Lautstärke. Eine Antwort seiner Mutter aus einem der umliegenden Höfe, blieb aus. Auch Elia, unser Wwoofer, war sehr begeistert von dem Böckchen und kümmerte sich rührend um ihn. Im Wechsel mussten wir uns um den Kleinen kümmern, damit ihm nicht fad wurde. Um 11 Uhr morgens kam Amadeus zu Besuch, den ich bereits die Nacht davor angerufen und um Rat gefragt hatte. Er war sehr entspannt und sagte, dass die Ziege wohl unserem Nachbarn gehört, dort auf der Finca wo wir waren steht eine Ruine, in dem aber noch ein Innenhof existiert, in dem ein junger Mann seine Ziegen hält. Amadeus hatte bereits gestern Abend rumtelefoniert um zu erfahren, wessen Ziege es ist. Jedoch so richtig Lust hatte keiner seine Ziege wieder zu bekommen. Der Wunsch den Kleinen zu behalten, stieg. Aber ohne Rat von Amadeus und auch Hilfe eine weitere Ziege zu bekommen, würde das nichts werden. Amadeus schätzte den Kleinen Ausreisser auf 2 Monate und sagte, dass er definitiv noch Milch braucht. Das machte uns nun doch etwas Sorge, denn unsere angerührte Babymilch trank er zwar , aber viel zu wenig. Amadeus versicherte uns, dass er den Bauern, die ebenfalls Ziegen haben, Bescheid gesagt hat und sich sicher bald jemand meldete. Unsere Sorge, dass der Kleine Hunger und Durst hat, stieg etwas. Und was uns noch mehr Sorgen machte war die Tatsache, dass es sich bei unserem Bock um eine Fleischziege handelt, die mit ca. 3 Monaten zum Schlachter kommt. Man, was ein Schock. Dieser Kleine, getötet, damit sich jemand ein Lammkotelett auf den Teller kloppen kann? Wollen wir nicht, aber was tun? Der Kleine gehört nicht uns und wir können ihn ohne Absprache nicht behalten. Nachdem der Kleine nun massiv weinte und meckerte, da scheinbar sein Hunger stieg, sind wir mit ihm gemeinsam und unseren Hunden rüber zu der Finca, dem Hof, von dem er scheinbar stammt. Kurz vor dem Hof meckerte er recht laut und seine Mutter & die Herde antwortete ihm. Es war ein gutes Gefühl, auch wenn von dem Bauern, dem die Tiere gehören, keine Spur zu sehen war. Kein Anruf, keine Frage, wie es seinem Tier geht, nichts. Wir beschlossen dafür zu sorgen, dass der kleine schwarze Bock wieder zu seiner Mama kann und zwar schnell. Die Nacht hat er gut überstanden und keiner der wilden Hunde, die es hier gibt und die sicher Hunger haben, haben ihn sich geschnappt in der Nacht, also mussten wir ihn nun wieder zu seiner Mama bringen. Wir kletterten also, Franzi voran, über die Mauer des Innenhofes und brachten den Kleinen wieder heile zurück. Er war zuhause, man konnte es sofort erkennen, dass er hier her gehört. In dem Innenhof waren noch ca. 14 erwachsene Ziegen und ein Ziegenbock sowie 7 kleine Ziegen, im Alter von 2-3 Monaten. Es war schön anzusehen, wie er seine Mutter zurück hatte, auch wenn diese zuerst mit dem anders riechenden Kind nicht so viel anfangen konnte, aber nach einer Zeit schien wieder alles im Lot zu sein.

Im Nachhinein fragen wir uns aber immer wieder, ob wir ihn nicht hätten behalten sollen und versuchen sollen dem Bauern abzukaufen, nur bis heute haben wir keinen direkten Draht zu ihm bekommen. Der Aufbau eines Platzes, in dem Ziegen leben können, ist angedacht, aber eben nicht von jetzt auf gleich umsetzbar. Und da wir versuchen mit bereits alten, weggeworfenen Dingen zu bauen, ist auch nicht mal eben genug Bauholz da um den Ziegen etwas zu bauen. Und ja, der Kleine brauchte noch Milch. Eine Flasche wäre nötig. Wir sind froh, die Nacht erlebt zu haben, aber auch ein wenig traurig, da Amadeus sagte, dass der Kleine in 4 Wochen bereits geschlachtet sein wird. Wie traurig uns das stimmt, dass Menschen kleine Lämmchen essen, nur weil sie Lust drauf haben, können wir gar nicht sagen. Am Liebsten würden wir alle Tiere befreien, die zum Verzehr gedacht sind. Aber eines macht es minimal weniger schlimm: Die Hühner, die Kaninchen, die hier und anderswo gehalten werden, eng auf eng, so eng, dass sie sich nicht mal drehen können in ihrer Todeszelle, haben ein mieser Leben als der Kleine, der ggf. nur 3 Monate alt wird. Man kann es nicht ändern und nicht jedes Tier retten. Leider! Dieses Erlebnis mit dem kleinen Ziegenbock war schön und wir möchten gerne Ziegen und Schafe halten, nicht zum Verzeht. Unsere Hühner laufen frei rum und haben ein zufriedenes Leben, so machen sie zumindest den Eindruck und wir bekommen täglich leckere Eier von ihnen. Wir ernähren uns vegetarisch, weil es für viele Tiere quallvoll ist zu leben, bis sie endlich erlöst werden. Zu viele Masentierhaltung, zu viele miese Unterkünfte. Der Bock wird sterben, leider.

 

Ein kleiner Ziegenbock hat uns besucht Fütterung, nicht so leicht